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9. In welchem Zustand befindet sich das vietnamesische Bildungssystems gegenwärtig?
Das vietnamesische Bildungssystem gleitet seit einigen Jahren immer weiter in eine Bildungsmisere hinein, deren Ausgang noch nicht absehbar ist. Konnte sich Vietnam noch vor einigen Jahren rühmen, kaum Analphabeten zu haben und als eines der ganz wenigen Länder gelten, in denen keine Schulgeldpflicht bestand, so hat sich dieses Bild auf ganz dramatische Art und Weise gewandelt.

Die gebührenfreie Schulbesuch, eine Errungenschaft noch aus der französischen Kolonialzeit, welche in ganz Asien einmalig war, wurde abgeschafft. Zahlreiche Familien, besonders in den ländlichen Regionen, können ihre Kinder nicht mehr in die Schule schicken. Sie haben kein ausreichendes Geld, um das Schulgeld und die Schuluniform, Bücher oder Schreibmaterial für ihre Kinder zu bezahlen. Hinzu kommt, daß es zu wenig Schulen in Vietnam gibt und die Ausstattung der Schulen völlig unzureichend ist. Es fehlt an Tischen und Stühlen und Wandtafeln - manchen Schulen haben nicht mal ein Dach. Die Klassen sind überfüllt, die Anzahl von Schultagen im Jahr liegen unter dem internationalen Standard und die Lehrer sind völlig unterbezahlt und haben meist eine schlechte pädagogische Qualifikation.

Jeder Lehrer muß irgendwelchen Nebenjobs nachgehen, damit er sich und seine Familie ernähren kann. So ist es häufig anzutreffen, daß Lehrer am Abend Rikscha fahren oder an einem kleinen Kiosk Zigaretten verkaufen. Dieser katastrophale Zustand führt zu einem insgesamt sehr niedrigen Bildungsniveau und zu einer großen Zahl von Schul- oder Studienabbrechern. Die Oberschule wird von fast 30%, die Mittelschule von fast 25% der Schüler abgebrochen. Sie verlassen die Schule vorzeitig ohne Abschluß.

Als Folge dieses Zustandes ist eine erschreckende Entwicklung festzustellen: Unzählige Privatschulen, Privatinternate und Privatuniversitäten öffnen jährlich im ganzen Land. Hier werden die Lehrer besser bezahlt und sind dadurch auch motiviert. Die Klassen sind überschaubar klein und der Unterricht findet in angenehmen klimatisierten Räumen statt. Hier können wirklich nur noch die Kinder wohlhabender Eltern unterrichtet werden. 90% der Absolventen aus den Privatschulen schaffen den Sprung in die Universität, in den staatlichen Schulen sind es gerade einmal 20%.

Die vietnamesische Regierung gibt gerade einmal 1% des BSP für Bildung aus. Dies ist einfach zu wenig. In der Industrie und im freien Markt lassen sich horrende Gelder verdienen. Lehrer können mit ihrem Gehalt keine Familie ernähren.
 
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