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6. Wie äußert sich die Armut in den Städten?
Die Armut in den Städten hat meist andere Ursachen als die ländliche Armut. Die Bandbreite der Ursachen ist geringer. Wo Isolation herrscht, ist Armut eher als soziale Armut, denn als körperliches Problem aufzufassen. Viele der in den Städten lebenden armen Kindern gehen entweder nicht zur Schule oder sie nehmen nur an Notalphabetisierungsprogrammen mit niedrigem Niveau teil.

Die Lebensweise und -umstände dieser Kinder sind ungeordnet und unsicher, und sie leben unter denkbar schlechtesten sanitären oder medizinischen Verhältnissen. Offizielle Verbote, Regeln und Bestim-mungen erschweren es den Kindern, sich auf der Straße "über Wasser" zu halten.
Die Wohnungsnot ist eines der größten Probleme der Armen in der Stadt.

Slumartige Behausungen müssen immer wieder städtischer Entwicklung und behördlicher Enteignung weichen. Die Kanalisation ist in Vietnams Städten völlig ungenügend ausgebaut und führt in den nieder-schlagsreichen Zeiten zu Überschwemmungen. Der Dreck der Straße vermischt sich schnell zu einer breiigen Masse, welche in die Wohnungen und Behausungen eindringt.

Die sanitären Anlagen sind ein Herd für Infektionen und Krankheiten aller Art. Besonders entlang der Ufer der unzähligen Flüsse, die die Städte und Dörfer durchqueren, leben die Armen in auf Holzstelzen gebauten Bambushütten, halb über Land, halb über Wasser. Rundherum sammelt sich aller Müll und Unrat, den die Flüsse mit sich führen. Die Geruchsentwicklung entbehrt jeder Beschreibung.

Das Risiko von HIV/AIDS Infektionen ist durch ungeschützte Sexpraktiken und der mehrfachen Nutzung von Spritzen und Nadeln drastisch angestiegen. Den Armen mag die Gefahr des falschen Gebrauchs oder falscher Praktiken wenig bewußt sein, vor allem aber haben sie keine ausreichenden Schutzmöglichkeiten oder finanziellen Mittel, um sich gegen dieses Risiko zu schützen.

Einkommen werden gewöhnlich durch bezahlte Beschäftigungsverhältnisse erzielt, im informellen Sektor jedoch häufig durch kleinunternehmerische Selbständigkeit. Einnahmen und Erlöse aus diesen einfachen Dienstleistungsjobs (Postkarten- oder Souvenier-verkäufer, Schuhputzer, Zeitungsjunge, Hotelboy, Motorrad-Parkwächter, Kokusnuß-Verkäufer, Cafe-Kellner, Marktverkäufer usw.) können ggf. höher ausfallen als feste Löhne, jedoch bieten diese Jobs keinerlei Sicherheiten. Außerdem bieten sie weder sichere Wohnmöglichkeit, noch ermöglichen sie einen Zugriff auf Kredite oder stellen Landerwerbsrechte in Aussicht.

Die Wohnungsnot der Armen in den Städten ist besonders gravierend. Für Straßenkinder beginnt jeden Abend erneut die Suche nach geeigneten bzw. sicheren Schlafplätzen. Die Verschmutzung der Umwelt in den Städten Vietnams hat alarmierende Ausmaße angenommen. Ursache dafür sind teilweise die schlechten Lebensbedingungen der Armen Stadtbevölkerung.

Insbesondere in Ho-Chi-Minh Stadt verschärft sich die Lage durch einen enormen Zustrom von Migranten aus den ländlichen Regionen. Meist sind es die besonders Armen, die sich in den Städten eine bessere Lebenschance (Arbeit und Einkommensmöglichkeit) erhoffen.

In dem Maße wie die Stadtbevölkerung in den letzten Jahren angewachsen ist, wurde staatlicherseits nicht für ausreichende Wasserversorgung, Müllentsorgung und Kanalisation gesorgt. Die Folge waren und sind eine zunehmende Umweltbeeinträchtigung und Verschmutzung und verschärfen damit die Situation der besonders Armen. Fast alle Fahrrad- und Motorradfahrer auf den Straßen von Ho-Chi-Minh Stadt und in den ländlichen Regionen fahren mit Mundschutz, um sich vor Staub und Smog zu schützen.

 
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