Home arrow FAQ arrow 5. Welches sind die typischen Merkmale der Armut im ländlichen Raum?
5. Welches sind die typischen Merkmale der Armut im ländlichen Raum?
Neun von Zehn, die in Armut leben, stammen aus den ländlichen Regionen des Landes. Für viele von ihnen ist Isolation ein Hauptproblem. Über 1.200 Kommunen können heute noch nicht mit dem Auto und viele weitere Dörfer besonders während der Regenzeit nicht oder nur schwer erreicht werden.

Schlechte Straßen erschweren der Bevölkerung den Zugang zu Märkten oder zu Gesundheitsdiensten. Naturkatastrophen gehen häufig mit der Armut einher. Im Mekong Delta verursachen Überschwemmungen massive Ernteverluste oder gar Ernteausfälle, wenngleich nachfolgende Ernten durch die neue Nährstoffzufuhr des Bodens geradezu besonders ertragsreich sein können.

Die jährlichen Taifune in der nordzentralen Küstenregion und die Springfluten in verschiedenen anderen Küstenregionen sind äußerst zerstörerisch und verschlimmern die Lage der besonders Armen.

Krankheit führt häufig in eine Armutsabhängigkeit. Nicht nur Medikamente und Behandlungskosten, sondern auch die Arbeitsausfälle in den von Krankheit gezeichneten Familien führen zu essenziellen Einkommensverlusten.

Seuchen im Viehbestand und Krankheiten bei den Anbaupflanzen, müssen häufig hingenommen werden, weil die Mittel für dringend notwendige Impf- und Vorsorgemaßnahmen fehlen. Besonders erschwerend kommt die Absatzempfindlichkeit landwirtschaftlicher Erzeugnisse hinzu. Zur Weiterverarbeitung oder Veredelung fehlen die Mittel und Möglichkeiten. So sind die landwirtschaftlichen Produkte vom jeweiligen Marktpreis (Weltmarktpreis) abhängig und unterliegen damit großen Schwankungen.

Die Erlöse bzw. Einkommen der Bauern hängen vom Marktpreis zum jeweiligen Zeitpunkt der Ernte ab, und diese sind meist genau dann besonders niedrig. Hinzu kommt häufig eine Abhängigkeit vom Preisdiktat der Händler und Zwischenhändler.

Eine Hauptsorge der armen ländlichen Familien ist es, daß sie nicht in der Lage sind, etwas anzusparen, um ihrem Elend zu entkommen, häufig aber auch die Sorge um ausreichendes Essen für die nächsten Tage. Dies kann zudem einhergehen, mit zu kleinen (unwirtschaftlichen) Anbauflächen und schlechten Bodenqualitäten. Häufig ist der Bauer aber auch verschuldet, weil er für Saatgut und Betriebsmittel Freunde und Verwandte beleihen mußte, um die Schulden mit der kommenden Ernte wieder begleichen zu können. Die meisten staatlichen Kreditprogramme erfordern Sicherheiten, die die armen Bauern in aller Regel nicht geben können. Darum ist das informelle Finanzsystem (unter Freunden und Verwandten) in Vietnam ein besonders wichtiger Faktor.

Ländliche Armut hat meist auch zerstörerische Auswirkungen auf die Umwelt, wie z.B. die Zerstörung der Wälder und Überfischung der Flüsse. Aber auch das Verlassen von "unwirtschaftlichen Gegenden" und die damit verbundene Bevölkerungsverdichtung in anderen Gegenden, führen meist zu unerträglichen sozialen und schließlich auch wirtschaftlichen Spannungen.

Solche traurigen Entwicklungen verstärken das Elend bei den Armen in den ländlichen Regionen noch zusätzlich. Man stellt immer wieder fest, daß die Armen auch nur unzureichend an staatlichen Programmen zur Armutsbekämpfung beteiligt sind. Aber auch ausländische NGO's tun zu wenig für die ländliche Armut und konzentrieren sich auf Programme in den Städten des Landes.
 
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