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Trainingszentrum zur Ausbildung von Jugendlichen, Hue, Vietnam
Mit diesem Projekt unterstützte Projekthilfe Vietnam den Aufbau eines Berufsbildungszentrums (Humanitäre Berufsschule) im sehr stark bevölkerten und äußerst armen Dorf Thuy Bieu in der Provinz Hue.

Thuy Bieu ist ein armseliges Dorf unweit der Stadt Hue. Die wirtschaftliche Situation ist gekennzeichnet durch Arbeits- und Perspektivlosigkeit bei Erwachsenen und Jugendlichen. Die Mehrheit der Dorfbewohner hält sich als Tagelöhner über Wasser.
Das Leid der Armut tragen, wie so oft, die Schwächsten – die Kinder des Dorfes. So ist gerade ihre Ernährungssituation und ihr Gesundheitszustand sehr schlecht, nicht zuletzt wegen der schlechten sanitären Bedingungen der hier lebenden Familien. Für die meisten Familien bedeutet der Mangel an Einkommen und Kapital sich Medikamente oder medizinische Dienste kaum leisten können.

Neben den häuslichen Dingen gehören auch Bildung und Ausbildung zu den Problempunkten.

Viele der kinderreichen Familien, können selten alle Kinder in die Schule schicken. Häufig sind es die Gebühren für die Schule, oft aber auch so einfache Dinge wie die Schuluniform, Schuhe oder didaktisches Material welche unüberwindbare finanzielle Schwierigkeiten für die betroffenen Familien darstellen.
Es ist schon fast die Regel, dass Kinder und Jugendliche lediglich die ersten Klassen besuchen und dann irgendwann die Schule abbrechen.

Inzwischen haben sich die Schulen und Behörden mit der großen Zahl an Schulabbrechern arrangiert. Leider nicht durch Herabsetzung der Schulgebühren, sondern indem sie lediglich den Wiedereinstieg nach einer Unterbrechung des Schulbesuches ermöglichen. Allerdings kostet das „Enrollment“ wiederum zusätzliche Gebühren.

Ähnlich wie beim Bildungssystem, ist auch die berufliche Ausbildung gerade in Vietnam nur marginal entwickelt. Nur wenige Betriebe bilden Jugendliche aus. Die Qualifizierung von Ausbildungsplätzen erfordert Ressourcen, welche die Mehrzahl der heimischen Betriebe nicht aufbringen können.
Meist sind es kleine oder mittelständische Familienbetriebe, die eine Art informelle Ausbildung bieten. Doch zunächst wird, wie bei (chinesischen) Großfamilien üblich, Jugendlichen der eigenen Familie der Vorzug gegeben.

Im ganzen Land herrscht ein großer Mangel an beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten. Handwerkliche Fähigkeiten erlernen die Jugendlichen bestenfalls durch ihre Väter oder durch frühe Mitarbeit auf den Feldern und im Haus - „Learning by doing“ könnte man positiv meinen, aber dies hat mit qualifizierter Ausbildung, welche den Jugendlichen vernünftige berufliche Perspektiven eröffnen würde, nichts zu tun.

Dabei bietet gerade eine handwerkliche Ausbildung die Chance, einen qualifizierten Beruf zu ergreifen, über den eine Verbesserung der Einkommensverhältnisse erreicht werden könnte. Eine solide berufliche Qualifikation ist nach der Einschätzung der Nonne Minh Tanh von der buddhistischen Pagode in Hue, der greifbarste und nachhaltigste Weg, das Elend zu lindern. Dieser Weg sollte durch die Gründung einer kleinen Berufsschule geebnet werden.

Bei der Beurteilung über eine Förderung war es uns wichtig, dass bei einem Vorhaben dieser Art jenen Ausbildungsbereichen der Vorzug geben werden sollte, bei denen auch nach Abschluss der Ausbildungskurse Aussichten auf Arbeitsmöglichkeiten bestehen.

Nach einer Bedarfsanalyse vor Ort wurde vorgeschlagen, dass die Berufsschule mit Ausbildungskursen für junge Frauen im Bereich Schneiderei und Näherei beginnen sollte. Dabei sollten sowohl lokal nachgefragte Kleidungsstücke als auch von der steigenden Zahl an Touristen gewünschten Textilien angefertigt werden.
Diese Produkte haben bessere Vermarktungschancen und bieten sichere Einkommensmöglichkeiten.

Die Ausbildungskurse starteten Anfang 2005 in den eigens für das Zentrum angebauten und eingerichteten Räumen, angegliedert an die buddhistische Pagode. Die Nachfrage zur Teilnahme war außerordentlich hoch, sodass nicht alle junge Frauen gleichzeitig berücksichtigt werden konnten.

Das Ausbildungsprojekt läuft heute weiterhin recht gut. Die Nachfrage zur Teilnahme an den Nähereiausbildungskursen ist nach wie vor sehr groß. Die Kurse werden kostenlos angeboten, da sich das Angebot vor allem an Mädchen und junge Frauen richtet, die aus besonders armen Verhältnissen kommen.

Die Bildungseinrichtung ist offen für alle, die die dafür gebotene handwerkliche Fingerfertigkeit mitbringen und diszipliniert lernen und arbeiten wollen. Vier praktische Ausbilder, die selbst qualifizierte und berufstätige Näherinnen sind, stellen die qualitativ hochwertige Unterrichtung von insgesamt zwei Klassen sicher. Ein theoretischer Ausbilder einer benachbarten Schule stellt seine Dienste ehrenamtlich zur Verfügung.

Mit den Fördermitteln von Projekthilfe Vietnam konnten 20 Nähmaschinen und 10 Ventilatoren sowie 100m Stoff, 20 Stickrahmen, Nähzeug, Stickgarn, -muster, -nadeln usw. zur Ausstattung des Näherei Unterrichtsklasse angeschafft werden.
 
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